27 04 2019

Ordentliche Mitgliederversammlung

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Fünfte Studienreise des FDB, Ziel Rom

Für seine fünfte Studienreise hatte sich der Fachverband Deutscher Berufs-Chorleiter ein ganz herausragendes Ziel vorgenommen: Rom stand im Jahr 2018 auf dem Programmzettel. Zehn Chorleiter/innen hatten sich rechtzeitig angemeldet, um das Kontingent der Plätze auszuschöpfen, und fanden sich am 04. März um 9.45 Uhr reisefertig am Alitalia-Schalter des Frankfurter Flughafen ein. Alles lief nach Plan, lediglich die Wetterprognosen deuteten auf einen recht feuchten Aufenthalt in der Ewigen Stadt hin, und ein solcher sollte es im wahrsten Sinne des Wortes auch werden. Petrus wollte seine Aufgabe als allmächtiger Verwalter der Regenmassen in diesen Tagen besonders ernstnehmen und ließ es an erquickendem Nass von oben nur für kürzere Momente fehlen, einzig am der Tag der Heimreise zeigte der Himmel sich von seiner freundlichen Seite. So viel vorab zu den äußeren Bedingungen.

Was dagegen die Eindrücke und Erlebnisse im Innersten angeht, kann man die Bezeichnung Highlight nur als vage Andeutung dessen verstehen, was der FDB-Gruppe in Rom tatsächlich geboten wurde. Schon die Ankunft im Hotel Michelangelo löste eine Stimmung höchster Zufriedenheit aus. Nicht nur die Qualität des Hotels, sondern auch seine einzigartige Lage, wenige Schritte nur vom Petersdom entfernt, fand ungeteilten Beifall. Der Blick aus dem Hotelzimmer fiel direkt auf die Domkuppel, die im Betrachter – vor allem bei Dunkelheit und Scheinwerferlicht – ein unvergessliches Bild hinterlässt.

Die Programmpunkte waren dicht gesetzt. Nach einem Empfang bei Senator Dr. h.c. Hans Albert Courtial In der Residenza Paolo VI ging es per Taxi zur Basilica di Sant’ Ignazio, einer atmosphärisch wie akustisch gleichermaßen beeindruckenden Kathedrale, in der wir zunächst die Probe und dann das Konzert des St. James Cathedral Choir und des Jubilate Young Women’s Ensemble aus Seattle besuchten. Nach verschiedenen Motetten und Spirituals trugen die beiden Chöre unter Leitung von Joseph Adam das komplette Requiem op. 9 von Maurice Duruflé vor, von Martin Welzel mit feinem Gespür an der Orgel begleitet. Michael Rinscheid bedankte sich bei den Mitwirkenden und überreichte ein Geschenk, das mit erkennbarer Freude entgegengenommen wurde. Im Anschluss an das gelungene Konzert ließen sich die Reiseteilnehmer von der vorzüglichen italienischen Küche im gegenüberliegenden Ristorante verwöhnen.

Am zweiten Tag führte uns Frau Dr. Liliana Inglessis unter dem Stichwort “Romantisches Rom” in das Herz der Stadt. Man kann diese Dame als Romführerin nur wärmstens empfehlen, sie kennt selbst die kleinsten Winkel der Stadt und bleibt keine Antwort schuldig. Ausgehend vom Dom-Vorplatz mit seinem regensicheren Kolonnadenring, vorbei an der trutzigen Engelsburg, dann über die Piazza Navona mit Berninis gewaltiger Fontana dei Quattro Fiumi, dem Vier-Flüsse-Brunnen, immer zielstrebig Richtung Pantheon. Hier wurden wir in die Geschichte und Architektur des antiken Göttertempels eingeweiht, der uns trotz des in der Mitte offenen Gewölbes den erhofften Schutz vor dem erbarmungslosen Regen bot. Nun ging es zur Spanischen Treppe und schließlich zum Trevi-Brunnen, der sich uns – allen Erwartungen zuwider – in trockenem Zustand darbot. Der geleerte Brunnen wurde just während unseres Eintreffens von eifrigen Männern gereinigt und für sonnigere Tage präpariert. Unsere Gruppe ließ sich davon nicht verdrießen und erfreute sich derweil genüsslich an exzellentem Gelato misto, von Liliana persönlich empfohlen. Den Nachmittag verbrachten wir exklusiv im Petersdom, da wir eingeladen waren, den St.-James-Chor mit Vorträgen während einer Hl. Messe zu erleben. Auf Sitzplätzen in der ersten Reihe untergebracht, gleich vor der Kommunionbank im Hochchor des Petersdoms, hörten wir erneut den amerikanischen Chor und feierten den Gottesdienst mit. Zum Ausklang des Tages trafen wir uns wieder bei Dr. Courtial in der Residenza Paolo VI, wo wir diesmal mit einem mehrgängigen Abendmenü verwöhnt wurden.

Auch der dritte Tag begann mit einer Führung durch Rom. Unsere Führerin, natürlich wieder Liliana, legte den Akzent nunmehr auf die antiken Baudenkmäler der Stadt. Vom Kapitol aus ging es vorbei an den Kaiserforen zum Forum Romana und danach zum Kolosseum, dem alten römischen Amphitheater. Die Zeit ließ noch einen außerplanmäßigen Abstecher von besonderer Güte zu. Rasch stiegen wir die wenigen Meter hoch, um zur Kirche San Pietro in vinculi (St. Peter in Fesseln) zu gelangen. Die Basilika beherbergt nicht nur das Grab des bedeutenden Philosophen Nicolaus Cusanus (geboren in Kues an der Mosel), sondern auch eines der Meisterwerke Michelangelos, die berühmte Moses-Statue, die den vollbärtigen Mann mit den Tafeln der Zehn Gebote in Händen zeigt. Kein Zweifel, alle waren von der ausdrucksstarken Statue tief beeindruckt. Danke, Liliana! Wie schön, dass der freie Nachmittag einigen die Möglichkeit bot, den Trevi-Brunnen jetzt doch noch so zu sehen, wie es sich für einen Brunnen gehört, nämlich voll Wasser! Und dann am Abend für die erste Hälfte der Gruppe der eigentliche musikalische Höhepunkt der Reise: Fünf Reisteilnehmer durften bei einer CD-Aufnahme der (Deutschen Grammophon) dabei sein. Die Cappella Musikale Pontifica Sistina traf sich in der Sixtinischen Kapelle, um weniger bekannte Motetten alter Meister, allen voran Giovanni Pierluigi da Palestrina, einer breiten Hörerschaft zugänglich zu machen. Es war ein einzigartiges Erlebnis, bei diesen Aufnahmen anwesend zu sein. Raum und Klangkörper gingen eine kaum zu übertreffende Symbiose ein, hier passte einfach alles zusammen. Den gleichen Eindruck schilderte die zweite Gruppe, die am folgenden Abend das Glück hatte, in der Sistina dabei zu sein.

Der letzte Tag in Rom erwies sich ebenfalls als unvergleichlicher Höhepunkt, allerdings in einer völlig anderen Weise. Wir hatten die Möglichkeit, an einer Papstaudienz teilzunehmen, und keiner aus der FDB-Gruppe wollte darauf verzichten. Die Halle, die man eigens für solche Audienzen gebaut hat, fasst über 8000 Menschen. Man bleibt im Normalfall also einer unter Tausenden. Nicht so unsere Gruppe! Wie durch einen Hintereingang, nur ausgewählten Persönlichkeiten vorbehalten, durften wir die Halle betreten, kein Anstellen, kein Warten, keine lästige Kontrolle. Die für uns reservierten Plätze waren ganz vorne, sodass wir dem Geschehen aus nächster Nähe folgen konnten. Und dann kam er, der Heilige Vater, Papst Franziskus, der Mann, der Folgsame und Kritiker gleichermaßen irritiert und in Erstaunen versetzt. Auf welcher Seite man auch stehen mag, ein Faktum wurde in der direkten Begegnung mit dieser außerordentlichen Persönlichkeit jedem Besucher klar: Was dieser Mann sagt, ist für ihn verbindlich; wie er spricht, so handelt er; was er vertritt, dafür steht er ein. So und nicht anders hat er sich uns präsentiert, Barmherzigkeit nicht nur im Wort verkündend, sondern in Geste und Handeln vormachend. Man spürte in seinem Lächeln, in seinen Blicken deren ehrliche Herkunft. Da war nichts gespielt, wenn er vom Leid einer Mutter ergriffen und seine eigene Hilflosigkeit offenkundig wurde. Er hat jeden von uns, wie aus späteren Gesprächen zu hören war, im Innersten angesprochen. Sein Charisma hat jeden erreicht. Es war ein Erlebnis der schönsten Art!

Und so näherten wir uns rasant dem Ende einer kurzen, aber hoch intensiven Reise. Nach einem Kurzbesuch auf dem Deutschen Friedhof, gleich neben dem Petersdom gelegen, nutzte ein jeder die verbleibenden Stunden für persönliche Besorgungen. Das Kofferpacken stand bevor, und am nächsten Morgen sollte es, wegen eines überraschenden Generalstreiks, viel früher als geplant zum Flughafen gehen. Schon um 7.30 Uhr mussten Frühstück und Check-out erledigt sein. Dann ging es per Taxi zum Flughafen, von Rom zunächst nach Mailand, von Mailand schließlich nach Frankfurt. Dass wir den Rückflug bei schönem sonnigen Wetter antraten, soll nicht unterschlagen werden. Erst recht nicht, dass Michael Rinscheid für die Organisation und Durchführung der wunderbaren Reise wieder einmal das höchste Lob verdient.

Köln, 30. April 2018

Willi Kastenholz

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Engelhart. Permanenter Link des Eintrags.